Neues Kunstatelier in Wassenberg

Bei Gabriele Bröcher können Interessierte selbst künstlerisch aktiv werden – ob beim Erstellen von Betonplastiken oder extravaganter Handtaschen.

Mit dem neuen Angebot, Kunst nicht nur anschauen, sondern auch selbst erschaffen zu können, schlägt die Stadt Wassenberg in ihrem Kunst- und Kultur-Portfolio wieder eine neue Seite auf. Im Rahmen einer Vernissage am Samstag, 2. März, um 11 Uhr eröffnet Gabriele Bröcher in einem ehemaligen Ladenlokal an der Kirchstraße 6 ihren „Tat.Ort“, in dem sie „kreaktive“ Kunstkurse anbieten wird, wie sie ihre Arbeit dort selbst beschreibt. Betonplastiken und Taschen sollen hier schon bald entstehen.

„Der Tisch ist mein Gästebuch“, lacht sie, während sie und ihr Mann um den großen und langen, grauen Tisch herum noch fleißig werkeln in dem Ausstellungs- und Werkraum, den sie samt kleiner, separater Werkstatt im hinteren Teil von der Stadt dank einer Landesförderung günstig mieten konnte. Dafür zeigt sie sich ebenso dankbar wie zu dem Umstand, eher zufällig in Wassenberg „gelandet“ zu sein und hier doch nicht nur kulturell so schnell Fuß gefasst zu haben. Eigentlich seien sie vor vier Jahren nur auf der Suche nach einer neuen Bleibe gewesen, erinnert sich die 64-Jährige. „Und Wassenberg ist einfach perfekt“, strahlt sie. Vor allem passiere hier kulturell sehr viel, „die Menschen sind nett, die Landschaft ist schön.“

Eigentlich stammt die studierte Sozialpädagogin aus Braunschweig. Über Aufenthalte in Düsseldorf und im belgischen Genk, wo ihr Mann beruflich tätig war, haben beide nun in Wassenberg ihre neue Heimat gefunden. Kreativ war Gabriele Bröcher schon immer, fast 30 Jahre lang hat sie mit ihren selbst genähten und bestickten Hüllen für Wärmflaschen oder Schals kunsthandwerkliche Märkte besucht.

Vor sieben Jahren machte sie dann selbst einen Kurs zur Herstellung von Betonplastiken. „Ich wollte mal mit etwas anderem arbeiten als mit Stoff“, erinnert sie sich. „Die Haptik von Beton hat mich schon immer fasziniert.“ Zudem lasse sich dieses Material über längere Zeit formen, auch sehr fein modellieren und trockne ganz einfach an der Luft.

Im Mai vergangenen Jahres schloss sie nach vier Jahren Ausbildung in Belgien darüber hinaus ihre Ausbildung als Feintäschnerin ab. Inzwischen hat sie diese beiden neuen Hobbys zu ihrem Beruf gemacht und will diese Fertigkeiten nun an die Menschen in der Region weitergeben. Bereits seit einem Jahr bietet Gabriele Bröcher Kurse für Betonplastiken in der Volkshochschule an, arbeitet mit Kindern in der Heinsberger Realschule und hat auch schon im Begas Haus in Workshops mit Kindern gearbeitet.

Als Sozialpädagogin falle es ihr leicht, ihre Fertigkeiten auch anderen Menschen zu vermitteln, sagt sie. „Wenn Menschen übers Machen und Tun zusammenkommen und mit ihrer Figur dann glücklich nach Hause gehen, dann habe ich doch mein Ziel erreicht.“ Dass ihre Thematik im Bereich Betonplastik sehr figürlich ist, wird bei einem Rundumblick im neuen Atelier sehr deutlich. Von den kleinen Engeln, die nett beieinander im Regal sitzen bis zur selbst stehenden, kindsgroßen, rundlichen Dame mit Perlenkette reicht die Palette der Möglichkeiten. Der Kern kleiner Figuren werde zuerst aus Alufolie geformt, erklärt die Künstlerin dazu. „Die großen haben ein Innenleben aus Styropor, das vorab modelliert wird.“

Auch die Kurse der Volkshochschule, die bisher in der dortigen Lehrküche stattfinden, will Gabriele Bröcher künftig in ihre eigene Werkstatt nach Wassenberg holen. „Zum einen habe ich alles hier“, erklärt sie und zeigt dabei unter anderem auf die beiden großen Ledermaschinen, die für die Herstellung extravaganter Taschen gebraucht werden. Zum anderen könne in der eigenen Werkstatt auch einfach einmal etwas halb fertig stehenbleiben, freut sie sich. Die Gäste sollen ihrer Kreativität in ihrem Atelier freien Lauf lassen können – sobald sie sich auf dem Gästebuch-Tisch eingetragen haben, versteht sich.

Dem Material seien keine Grenzen gesetzt, sagt sie, und der Nutzung der künftigen Tasche, die auch bestickt werden kann, natürlich auch nicht. So zeigt ihr Regal mit Mustertaschen, dem Regal mit den kleinen Engeln gleich gegenüber, neben Handtaschen auch Ideen für Kulturtaschen, Taschentuch-Boxen und vieles andere mehr. Für Taschen kommen bei der überaus kreativen Künstlerin auch schon einmal Teppichboden oder Türgriffe für Einbauküchen zum Einsatz.

„Das hätte ich früher so auch gerne gehabt“, schwärmt sie – ein Ambiente mit fertigen Ideengebern, die der eigenen Kreativität freien Lauf geben können. „Jeder soll hier frei sein in dem, was er für sich erschaffen möchte, soll Lust und vor allem Spaß haben, hier Zeit zu verbringen“, betont sie.

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